Tokio

どうもありがとう



東京

 

 „ Eigentlich freue ich mich auf ein paar Tage Großstadt, auch wenn ich vor Tokio einen höllischen Respekt habe“ denke ich während wir es uns im Zug von Narita City in die Hauptstadt bequem machen. Von der Metropolregion Tokio-Yokohama weiß ich nicht besonders viel, außer dass etwa 35 Millionen Menschen hier auf engstem Raum leben und wir ganz sicher in den nächsten Tagen nie alleine sein werden. Gespannt beobachten wir die vorbeiziehende Szenerie der Vorstadt. Gut nur, dass die Zugtrasse größtenteils überirdisch verläuft, so versuchen wir uns gleich zu orientieren. 

„Ob wir unsere Haltestelle aus den japanischen Ansagen heraushören?“.

Alles läuft ganz entspannt. Unser Bahnhof wird auf Englisch angekündigt und so finden wir uns wenig später im Stadtteil Minato, westlich des Kaiserpalasts wieder. 

Um unser Hotel im Viertel Akasaka pulsiert das Leben. Es ist wunderbar. Zwischen dem luxuriösen Roppongi Hills und dem Geschäftsviertel Ginza reihen sich ein Restaurant an das andere und jedes sieht besser aus als das vorige. Suse findet gleich am ersten Tag ihr großes Tokio-Highlight. Ein kleines Restaurant im Blumenladen an der Ecke des Akasaka Biz Towers hat es ihr angetan. Es gibt shintoistische Schreine zwischen Bürotürmen, alles ist neu, hell und freundlich. Nichts ist verbaut. Obwohl Tokio die teuersten Grundstückpreise der Welt hat, hat man sich Plätze mit Cafés, Parkanlagen und kleine überschaubare zweistöckige Gebäude erhalten. 

 

Durch Ginza laufen wir vorbei am Kabukiza-Theater zum Tsukiji-Fischmarkt. Die Tunfischauktion ist längst vorbei, trotzdem sind die engen Gassen rund um die Auktionshallen überfüllt. Nirgendwo in der Stadt kann man frischeren Fisch und exotischere Meeresfrüchte essen. Jeder einzelne Verkaufsstand lacht uns an. Es gibt Omelett am Stiel, Lachs als Sashimi, Wagyu-Rind als Spieß und Wasabi als Eis. 

 

浜離宮ガーデン

 

In den angrenzenden Hamarikyu Gardens trinken wir im Teehaus am See traditionell Matcha und sind begeistert von Tokio. Wie kann eine solche Metropole so viel Natur und Tradition mit der Moderne vereinen?

 

Tokio hat nicht unbedingt die ganz großen Sightseeing Punkte wie beispielsweise Los Angeles, aber es ist wohlmöglich lebens- und liebenswerter, schon alleine weil die Gassen makellos sauber und die Menschen wie überall in Japan unbeschreiblich nett und sympathisch sind. Es ist wahrscheinlich die ruhigste Multi-Millionenstadt, in der wir waren. So ganz stimmt das nicht. Der Stadtteil Shibuya soll laut, schrill und total verrückt sein, also hin und nachsehen…

 

渋谷交差点

 

Über Shibuya Crossing, der Straßenkreuzung bei der mit jeder Grünphase tausende Menschen über die Straßen laufen, streifen wir durch die überfüllten Gassen des Viertels. An jeder Ecke gibt es MangaCafes und Karaoke, Spielcasinos und 100YenShops, Katzen- oder Eulencafes in denen man im künstlichen Wald sitzend, mit Eulen oder Katzen spielen kann. Shibuya ist für Tokio das, was der Times Square für New York ist, eine einzige leuchtende Masse an Geschäften, Unterhaltung, Restaurants und Table Dance. 

 

 

Auf der anderen Seite der Stadt, gefühlte 50km ostwärts, ragt dann gut sichtbar ein neuer, großer Sightseeing Punkt in den Himmel. Mit dem „SkyTree“ hat Tokio seit einigen Jahren das zweit höchste Bauwerk der Welt. Aus der Ferne wirken die 634 Meter monumental. Als wir die Oshiage Metro Station am Fuss des Turms verlassen, entscheiden wir, nicht auf die Plattform in 450m zu fahren. Es ist uns einfach zu teuer und der Nebel lässt auch keine Aussicht auf den sonst sichtbaren Mount Fuji zu, also nutzen wir die turmeigene Shoppingmall ausgiebig, gehen ins Planetarium und essen, essen, essen. Für seine Restaurants und Imbisse liebe ich Japan, die Qualität ist überall erstklassige und anders als erwartet, bezahlbar.

 

浅草寺

 

 Durch das Hozo-mon Tor, laufen wir unter der riesigen roten Laterne durch, auf das Gelände des Asakusa Schreins, dem Senso-ji. Wir drehen uns um, verneigen uns tief und waschen unsere Hände und Münder mit Wasser aus dem Brunnen, nach bester buddhistischer Tradition. Es ist Tokios ältester und wichtigster Tempel und ich finde ihn schön. Mir gefällt der Kontrast zwischen einer fast 1500 Jahre alten, typisch japanischen, feuerroten Architektur und der Modernen in direkter Nachbarschaft. 

 

Abends vor unserem Stammlokal (eigentlich waren es zwei oder drei) in den engen Gassen von Akasaka nehmen wir bewaffnet mit einem Glas Rotwein Abschied von Japan. Die vier Wochen waren wegen der großen Hitze nicht immer leicht, schon alleine weil unsere ersten drei Wochen aus Camping bestanden, aber dennoch total aufregend. Ich habe die Japaner schätzen gelernt, mit ihrer gnadenlosen Freundlichkeit, die fast schon an Selbstaufgabe grenzt. Ohne auch nur einmal Sushi in Japan gegessen zu haben, sind wir nicht verhungert. Ganz im Gegenteil, vielmehr wird uns das vielseitige und leckere Essen wie Soba und Ramen fehlen. Genauso herzlich wie wir an unserem ersten Tag am Zoll des Flughafens empfangen wurden, werden wir mit einem Origami-Kranich als Geschenk verabschiedet. Schöner geht´s nicht. Arigatougozaimasu Nippon * Vielen Dank Japan.

 

 ありがとう、日本

 

hier geht es zu unserem Bericht über Camping in Japan