Kuba - Im Land von Fidel und Che


Havanna ist das wohl lebendigste Museum, das ich je gesehen habe. Der Sozialismus hat die alte Bausubstanz über Jahrzehnte zerfallen lassen und vielleicht auch konserviert. Kaum ein Auto ist jünger als 30 Jahre. Auf allem liegt eine dicke Patina. Aber die Menschen sind stolz, lebensfroh und unheimlich nett. Eine Bewohnerin erklärt uns stolz, dass ihr Capitol im Zentrum Havannas das perfekte Ebenbild des Capitols in Washington ist. Aber ihres wäre weit größer. Ich war vor wenigen Monaten in Washington D.C. und kann die Meinung nicht ganz teilen. Aber gut. Wenigstens nutzt die Nachbarschaft hier den Eingang des Capitols um Wäsche zu trocknen oder um an der Außenfassade Fußball zu spielen. Das können die Amis nicht von sich behaupten. Es ist kaum vorstellbar, dass in den zerfallenen Häusern, deren Dächer und ganze Wände fehlen, noch viele Familien leben. Als Deutsche fragt man uns immer, aus welchem Landesteil wir kommen. Ost oder West? Ich als Wessi ernte nur schräge Blicke, plötzlich bin ich out. Suse dagegen ist auf der, aus kubanischer Sicht, richtigen Seite der Mauer aufgewachsen, was ihr immer ein strahlendes „Ooooh“ einbringt. Wie schön die Stadt wohl in ihrer Blütezeit gewesen sein muss, sieht man in den restaurierten Gassen rund um Habana Vieja. Nicht umsonst ist das Viertel mit seinen traumhaft schönen Gebäuden UNESCO Weltkulturerbe. Vorbei am Haus der Familie Barcardi laufen wir zu einer der wohl bekanntesten Zigarrenfabriken des Landes und decken uns ersteinmal mit Cohibas ein. Günstiger kommen wir wahrscheinlich nie wieder in den Genuss.

Ernest Hemingway hatte viel Zeit in der Stadt verbracht. Jede zweite Bar wirbt damit, seine Stammkneipe gewesen zu sein. Und wahrscheinlich haben sie alle recht. Das Floridita, die Geburtsstätte des Daiquiri, das Dos Hermanos und natürlich die Bodeguita del Medio sind einfach ein Muss wenn man Hemingways Havanna sehen will.

Wir wohnen im Hotel Habana Libre, dem ehemaligen Havanna Hilton. Hier wurden Könige und Staatsmänner aus alles Welt empfangen, außerdem diente das Haus Fidel Castro als Sitz, nach der Übernahme der Stadt. Trotzdem liege ich abends unter dem Waschbecken und repariere sämtliche Sanitäranlagen. Auch an ehemaligen Luxushotels nagt der Zahn der Zeit. Der Blick aus unserem Fenster, weit über den Malecon ist unbezahlbar. Gegenüber des Hoteleingangs steht in einem kleinen Park der Eispavillion Coppelia. Hunderte Kubaner stehen manchmal Stunden an, um ein Eis zu ergattern, das Schlangestehen ist hier schon zum Volkssport geworden. Wir als Ausländer dürften aber direkt vor gehen, sagt man uns. So etwas lehne ich ab. Ich käme mir schäbig vor.

Abends mischen wir uns unters Volk und trinken leckere Mojitos auf einem Straßenfest der Bewohner am Malecon, bevor wir ordentlich zur Kasse gebeten werden. Es gibt auf Kuba zwei Währungen. Der kubanische Peso und der Peso Convertible (CUC) für die Touris, welcher den 24 fachen Wert des normalen Peso hat. In unserem Fall zahlen wir das 24 fache der normalen Preises, also fast 7 Euro für einen Becher Rum.

Die Stadt ist wirklich cool und wir hätten noch viele Tage hier verbringen können, aber wir haben auf Kuba noch einiges vor. Irgendwann kommen wir nach Havanna zurück.

Im wunderschönen Valle de Vinales, einem weiteren UNESCO Weltnaturerbe, geht es ländlich und lässig zu. Neben den kleinen Farmen hängen Tabakblätter in großen Scheunen zum trocknen. Aus den kleinen Wellblechhütten dröhnt der Son von Compay Segundo und dem Buena Vista Social Club, während die Gauchos ihre Hähne für den Kampf am Abend fertig machen. Hahnenkämpfe sind auch hier auf Kuba verboten. In dieses abgelegene Tal verirrt sich wohl selten ein Gesetzeshüter, der sich für die Einhaltung solcher Gesetze interessiert.

Über Pinar del Rio, der Hauptstadt der Zigarrenindustrie, fahren wir mit dem Bus gen Süden zur Bahia de Cochinos, der Schweinebucht. Ich finde es der Geschichte wegen interessant hier zu sein, schön finde ich die stark verdreckten Strände nicht. Im Süden Kubas liegt die karibische See, im Nordwesten der Golf von Mexiko und etwas östlicher von Havanna der Atlantik. Ich hätte nie gedacht, dass der Atlantik das schönere türkisblaue Wasser und die weißeren Puderzuckerstrände aller drei Meere hat. Ihr kennt wahrscheinlich Varadero, die Hochburg des Badetourismus auf Kuba. Varadero ist Pauschaltourismus durch und durch. Es ist recht schade, dass man hier nicht mit den Einwohnern in Kontakt kommt. Ihnen ist der Zugang zum Strand in der Nähe der Hotels sogar verboten. Dennoch hat Varadero den mitunter schönsten Strand der Insel. Mehrmals nehmen wir den Bus ab Varadero und gucken uns Matanzas mit seinen unzähligen Brücken und Cardenas, die Stadt mit einem Denkmal für einfach alles, an. Wir schlendern vorbei am Fahrrad-Denkmal, dem Denkmal für Taxifahrer, genießen die Cafes in den kleinen Gassen und lassen die letzten Tage Revue passieren. Das nächste Mal werden wir mehr Zeit in den kleinen Dörfern verbringen und auch in Havanna haben wir noch nicht jede Bar Hemmingways durchprobiert.