Road Trip durch den Wilden Westen


Zugegeben, der Westen der USA gehört jetzt nicht zu den exotischen weißen Flecken auf der Landkarte. Dass die Gegend um den Grand Canyon schön ist habe ich nie bezweifelt, aber es stand nicht unbedingt auf meiner to do-Liste genau wie Las Vegas. Warum auch immer. Ich dachte die Gegend wäre zu touristisch und man müsse sich am Rand des Canyons in Reisegruppenschlangen einreihen, um auch einmal in die Schlucht zu sehen. Die USA kennen wir ziemlich gut. Über zehn mal bin ich durch alle Winkel des Landes getourt. Wir wollten mal wieder in unsere Lieblingsstadt San Francisco und zum Wandern ins Yosemite Valley, aber die Flugpreise in diesem Jahr waren brutal überteuert, egal wie ich es drehte und wendete. Aus der Not besorgte ich uns einen supergünstigen Gabelflug via Chicago nach Las Vegas. Von da aus würde sich wie immer alles irgendwie ergeben. In diesem Jahr wurde ich in vielerlei Hinsicht eines Besseren belehrt.

 

Die ersten 8 Tage: Las Vegas, Grand Canyon, Page, Zion N.P.

Las Vegas ist weit cooler als ich dachte. Für zwei bis drei Tage kann man echt viel Spaß haben und gute Shows sehen. In den neueren Themenhotels am Strip kann man Stunden verbringen ohne das es langweilig wird.

Kleiner Tipp: Einige Themenhotels sind gerade im Sommer so günstig, dass es sich echt nicht lohnt in ein heruntergekommenes Motel am 

                           Stadtrand zu ziehen.

                           Ich bin seit vielen Jahren bei booking.com angemeldet und bekomme oft viele Rabatte. Wir hatten im Hard Rock Casino eine riesige 

                           Suite für gerade einmal 55,-€ am Tag.

Die Strecke vorbei am Hoover Staudamm zum Grand Canyon South Rim ist echt toll. Ab Kingman sind wir parallel zur Interstate 40 dem historischen Teil der Route 66 bis nach Seligman gefolgt. Die Atmosphäre in der Wüste wenn ein Gewitter aufzieht ist unbeschreiblich.

Ich bin geflasht. Man kennt Bilder vom Grand Canyon, aber kann sich die Dimensionen nicht im geringsten vorstellen. Über 1400m unter uns sehen wir die Stromschnellen des Colorado Rivers. Nur wenige Meter tiefer des flachen Plateaus der Rim, beginnt eine ganz andere Welt. Wir machen sehr schöne Wanderungen entlang der Klippe. Ein Traum wäre die Durchquerung des Canyons bis zum North Rim über zwei Tage, aber das wäre leider jetzt im Sommer zu hart.

Kleiner Tipp: Wir haben unser Camp für ein paar Tage im super schönen Mather Campground am South Rim, aufgeschlagen. Wenn ihr lieber 

                           reservieren wollt, schaut mal auf www.recreation.gov. 

Am östlichen Ausläufer des Canyons fällt es mir schwer mich auf die Straße zu konzentrieren. Hinter jeder Kurve tun sich plötzlich Täler und kleine Schluchten auf, die Farben des Gesteins und des verbrannten Grases der Prärie ist unbeschreiblich. Auf halber Strecke Richtung Page am Lake Powell, muss ich entschleunigen. Durch die Weite der Landschaft und der Schönheit der Wüste, merkt man die Stunden im Auto garnicht. Tuba City im Stammesland der Navajo-Indianer ist echt toll gelegen.

Durch die Painted Desert cruisen wir in Zeitlupe bis nach Page am Lake Powell. Nur wenige Meter vor der Stadt findet Ihr den bekannten Horseshoe Bend und die Upper und Lower Antelope Canyons.

Kleiner Tipp: Solltet ihr eine Tour durch die Antelope Canyons planen, könnt ihr vorab hier eure Plätze reservieren. Es werden stündlich nur wenige

                           Leute  reingelassen.  

Den Sommer über gibt es sehr oft heftige Gewitter in der Wüste. Der tiefgraue Himmel verstärkt nur noch die Farben der Wüste und sorgt so für eine dramatische Atmosphäre. Es regnet wie aus Eimern. Aus der Not heraus machen wir Meter und kommen, als es heller wird am östlichen Rand des Zion Canyons an. Mir, als leidenschaftlichen Boulderer, juckt es in den Fingern. South Utah ist mit das beste Klettergebiet der Welt und die Flanken des Zion unbeschreiblich schön. Vom östlichen Hochplateau aus führt die Straße steil durch einen Tunnel zu einem wahnsinnigen Serpentinenkurs. Ich habe nie etwas schöneres gesehen.

Kleiner Tipp: Im Zion National Park gibt es einige Zeltplätze und Lodges. Solltet ihr wirklich mal keinen freien Platz mehr finden, findet ihr 2m

                          außerhalb des Parks das wunderschöne Städtchen Springdale mit vielen Unterkünften. 

 

Die nächsten 10 Tage: Mojave Wüste, Sierra Nevada, San Francisco

 

Und plötzlich tauchen am Horizont die Berge der Sierra Nevada auf. Auch wenn die Mojave Wüste garnicht mal so langweilig war, sind wir happy in der Sierra zu sein. Einige Tage wollen wir uns Zeit nehmen für Sequoia National Park und Kings Canyon, bevor es wieder in unser geliebtes Yosemite Valley geht.

Kleiner Tipp: Wir sind immer recht spontan und suchen uns unsere Zeltplätze erst am Nachmittag, aber wenn Ihr ins Yosemite Valley wollt braucht

                         Ihr sehr viel Glück bei eurer Platzsuche. Hier habe ich unseren einzigen Platz reserviert und das schon Monate vorher.

                        Versucht euer  Glück hier.

                        Solltet Ihr im Yosemite N.P den bekannten Half Dome besteigen wollen, müsst Ihr euch für eure Genehmigung in einer Lotterie anmelden.

Durch die kalifornischen Obstanbaugebiete geht's in Richtung Küste. Saaan Fraaancisco.... Von Oakland aus fahren wir über die Oakland Bay Bridge in unsere Stadt. Die Bay um San Francisco ist nicht um sonst eine der Gegenden mit der höchsten Lebensqualität. Wir lieben es in den Secondhand Läden im Hippieviertel Haight & Ashbury  zu stöbern, im Golden Gate Park zu entspannen oder mit dem Rad über die GoldenGate Bridge nach Sausalito zum Sonnenuntergang zu fahren. Die Lage der Stadt ist genial für Tagesausflüge ins Hinterland. Ihr könnt den Shoreline Highway 1 durch die Verwerfung des San Andreas Graben, weiter Richtung Mendocino an der Küste entlang oder in die Weinberge des Napa Valleys.

Kleiner Tipp: San Francisco ist in den letzten Tagen sehr teuer geworden. Wenn ihr nicht zuviel Geld für ein Hotel ausgeben könnt, denkt doch mal

                            über ein Hostel, notfalls auch mit Privatroom, nach. Ein schönes sauberes Hostel findet ihr hier.

          

Und weitere 10 Tage: Big Sur, L.A., Big Bear Lake, Las Vegas


Sehr sehr cool ist der Highway 1 Richtung Süden. Unterwegs kommt Ihr an den coolen Surferstädten Santa Cruz und Monteray vorbei, bevor Ihr die engen Kurven an den Klippen der Big Sur nehmt. Am südlichen Ende der spektakulären Tour, fand ich das Hearst Castle ganz interessant. Mit etwas Glück könnt ihr ein Zebra zwischen den weidenden Kühen sehen. Der Privatzoo des Erbauers hat sich in den 40er Jahren verselbständigt. Die Strecke zwischen San Francisco und L.A. ist einfach zu schön um schnell zu fahren, deswegen haben wir uns fünf Tage Zeit gelassen.

Kleiner Tipp: An der Big Sur sind Zeltplätze Mangelware und die wenigen sind schnell belegt. Wir bekamen noch spontan einen Platz auf dem tollen

                       fernwoodbigsur.com. Die ganze Küste ist selbst mit Zelt etwas teurer. Im Schnitt kosten Tentsides 45 $.

Wenn Ihr, wie wir gerne mal Städte besucht, aber abends in eurem eigenen Zelt liegt, habe ich hier etwas cooles für Euch. Nur 5 Minuten nördlich von Malibu fand ich, neben der Ranch von Ronald Reagan und der Westernstadt von Paramount Pictures, den Malibu Creek State Park. Ab hier seid Ihr in 30 Minuten in Hollywood und in 15 Minuten an den Stränden von Santa Monica und Venice.

Kleiner Tipp: Für L.A. braucht Ihr weiter keine Tipps. Lasst Euch treiben! Wollt Ihr euch das Paramount Pictures Studio ansehen, könnt Ihr euch

                            online  anmelden. Ich kann den Malibu Creek State Park nur empfehlen. Schaut mal den Link.

Wir wollten auf unserer Rückfahrt Richtung Las Vegas noch etwas Grün, bevor es in die Wüste geht und fanden auf der Straßenkarte eine einzelne grüne Bastion vor der Mojave. Nur wenige Kilometer hinter San Bernadino führen Serpentinen steil auf einen bewaldeten Granitrücken nach Big Bear Lake. Den Ort haben scheinbar auch viele Wohlhabende von der Küste für sich entdeckt. Es ist sehr schön hier oben, auch wenn sich die geschmackvollen Blockhütten dicht an dicht drängen. Der Ausblick zwischen den dichten Kiefern durch, bis weit in die Mojave Wüste ist der beste Abschluss unseres Roadtrips, den man sich wünschen kann.

Kleiner Tipp: In Big Bear Lake sagte uns die Touriinfo, wir sollten wieder umdrehen, da alle Campingplätze für den ganzen Sommer ausgebucht                            wären. Ein Stunde später stand unser Zelt ganz alleine auf einem leeren Zeltplatz am Ortsrand. Lasst Euch nicht abwimmeln,

                          auch  nicht  von einem "No Vacancy" Schild. Fragen kostet schließlich nichts.


Mein Fazit:

Ich habe mich dieses Jahr eines Besseren belehren lassen. Meine Vorurteile Las Vegas, der Wüste und auch L.A. gegenüber waren unbegründet. Die schönsten Erinnerungen, wenn ich bestimmte Lieder höre, habe ich an West Hollywood, den Zion, die Wüste im Allgemeinen. Es hätte tausende Möglichkeiten gegeben, was wir noch hätten sehen können, aber wie schon erwähnt, reisen wir lieber entschleunigt und intensiv.

 

Noch ein Tipp:

Der Westen der USA ist bekanntlich vollgepackt mit National Parks. Klar, deswegen fährt man ja hin. Hier könnt ihr Geld sparen. Überlegt Euch ob Ihr mehrere Parks besuchen wollt, vielleicht ist ja dann der Annual Pass für 80 $ das Richtige für euch. Den Pass bekommt ihr an den Visitor Centern der Parks.

Campen im Bärenland:

Zugegeben, in den ersten Nächten hat man ein etwas komisches Gefühl. Informiert Euch am besten an Rangerstationen über die verschiedenen Verhaltensweisen, solltet Ihr einem Bären oder Berglöwen begegnen.

Zu eurer Beruhigung kann ich sagen, dass die Chance von Berglöwen angegriffen zuwerden sehr gering ist. Viele Wildnisbewohner erzählten uns, dass sie oft jahrelang keine zu Gesicht bekommen. Bei Bären jeglicher Art sieht das etwas anders aus. Grizzlys und Schwarzbären sind überall.

Auch wenn Euch das alles vielleicht verunsichert - zelten im Bärenland ist fantastisch und auch nicht so gefährlich wie es sich anhört, wenn Ihr gewissenhaft und respektvoll seid.

  • Eure Essenvorräte, Kulturbeutel ect. müsst ihr immer in Bären-Boxen aus Metall einschließen oder Ihr packt alles in einen Beutel und zieht den mindestens vier Meter hoch zwischen zwei Bäume. Lasst besser nichts im Kofferraum. Euer Vermieter wird es Euch danken.
  • Kocht nicht direkt neben eurem Zelt und lasst eure Klamotten, mit denen Ihr gekocht habt nicht  im Zelt liegen.
  • Haltet euren Zeltplatz penibel sauber.
  • Verzichtet weitestgehend auf Parfum und auf Haargel.
  • Ob Ihr euch ein Bärenspray kauft, ist Euch überlassen. Die Pfeffersprays kosten im Schnitt 40,-CAD und sind schon effektiv. Wir hatten uns dagegen entschieden.
  • Zeltet nicht zu nah an Flüssen, den da jagen die Bären nach Lachsen.

Wenn Ihr unterwegs auf Bären trefft, gibt es verschiedene Regeln die Ihr befolgen müsst. Wir sind einige Male in diese Situationen gekommen und waren zum Glück immer sehr ruhig und haben alles befolgt, was die Ranger uns geraten hatten. Informiert Euch an den Rangerstationen über die verschiedenen Verhaltensregeln bei Grizzlys, Schwarzbären und Pumas und dann wird's schon klappen mit eurem Wildnisabenteuer.