Road Trip  entlang der wohl schönsten Küste der USA


Eigentlich will ich hier nicht mehr weg“.Wir sitzen seit einigen Tagen in San Francisco und genießen jede Minute in dieser fantastischen Stadt. Morgen brechen wir zu unserem 3-wöchigen Trip auf. Um nicht zu hetzen werden wir unseren Mietwagen in Seattle lassen und von da aus zurück nach San Francisco fliegen. Zwischen beiden Städten gibt es so viel zu sehen, dass wir eigentlich Monate bräuchten. Geplant haben wir nichts, alles wird sich irgendwie ergeben.

 

Die Route

Es gab einige Punkte die wir sehen wollten und einige Gegenden von denen wir garnichts wussten. Letztendlich sind wir im totalen ZickZack Kurs zwischen Bergen und Küste hin und her gesprungen und das völlig stressfrei.

Die erste Woche: San Francisco, Napa Valley, Yosemite N.P., Bodie

 

Kaum haben wir die Golden Gate Bridge hinter uns gelassen, hört es auf zu regnen und man sieht endlich was von der umwerfenden Landschaft. Das ist das beeindruckende an der Stadt. Man ist in wenigen Minuten in der schönsten Natur.

Wir kurven durch die Weinberge des Napa Valleys, vorbei an Sacramento zum Yosemite National Park und finden erst mal keinen Zeltplatz, welch Überraschung. Der Park ist natürlich im Sommer überlaufen und so spontan muss man wirklich Glück haben. Haben wir aber nicht, deswegen campen wir auch 45 Minuten außerhalb des Valleys aber das ist auch Ok. Wir machen wahnsinnig schöne Wanderungen und das Beste ist - so voll das Valley auch ist, sind wir nur wenige Schritte in steilem Gelände fast alleine.

Nach zwei Tagen im Park fahren wir über den Tioga Pass in Richtung Wüste. Die Landschaft und der Kontrast zwischen den schneebedeckten Bergen und der kahlen Wüste ist enorm. Kurz hinter dem Mono Lake mit seinen Salzsäulen, führt eine Schotterpiste durch die Prärie zur Geisterstadt Bodie. Die Goldgräberstadt wurde in den 1930er Jahren aufgegeben und lohnt den Eintritt absolut. www.bodie.com

 

Die zweite Woche: Lassen Volcanic, Humboldt Redwood S.P., Oregon Coast, Portland

 

Vorbei an Lake Tahoe, Carson City und Reno fahren wir rauf zum Lake Almanor, hinter dessen Ufern sich der Lassen Peak erhebt. Es ist August und die Zufahrt des Lassen Volcanic National Park noch total verschneit. Eigentlich wollten wir im Lassen Volcanic N.P. ordentlich wandern, aber daraus nichts. Die Durchfahrtsstraßen sind wegen heftigen Lawinenabgängen heute morgen gesperrt. Schön war es trotzdem.

Die Avenue of the Giants führt durch den wohl spektakulärsten Wald den man sich vorstellen kann - den Humboldt Redwoods State Park. Die Dimensionen der Giganten kann man sich im Vorfeld nicht annähernd vorstellen. Hier solltet ihr euch echt viel Zeit zum wandern nehmen. Die Küsten-Redwoods erreichen Höhen von 115 m. Mich beeindrucken aber auch die etwas kleineren, dafür wuchtigeren Sequoias.

Etwas kurios ist der Trees of Mystery Park am Hwy 101 kurz hinter Klamath. Der Park ist eine Art Disneyland und die Hauptattraktion sind die Redwoods und Sequoia. Ich war wirklich skeptisch, aber es ist ganz geschmackvoll gemacht.

 

Kurz vor der Grenze von Oregon fängt der zerklüftete Küstenabschnitt so richtig an. Auch wenn wir für die nächsten Tage Nebel und Regen haben – diese Landschaft wirkt dadurch noch mystischer.

Wir verlassen für einige Tage die Küste und wollen nach Portland/ Oregon und weiter zum Mt. Saint Helens, jenem Vulkan dessen Gipfel am 18. Mai 1980 explodierte. Der Grund warum Ihr oben keine Fotos von Mt. Saint Helens findet, ist der Tatsache zu verdanken, dass wir im dichtesten Nebel nicht mal den Krater sehen konnten. Portland ist erst auf den zweiten Blick eine schöne Stadt. Sie ist in den USA Vorreiter was erneuerbare Energien angeht. Elektroautos dürfen im Zentrum kostenlos tanken und parken und Radfahren wird gefördert, was die Stadt wirklich sympathisch macht.

 

Die dritte Woche: Oregon Coast, Olymic N.P., Mt.Rainier, Seattle

 

Zurück an der wahnsinnigen Küste Oregons machen wir uns auf Richtung Aberdeen, dem Geburtsort von Kurt Cobain - Come as you are. Aberdeen selber ist sehr herunter gekommen und bietet nicht viel, aber die Landschaft ist toll. An den Küstenstraßen lohnt es sich bei den Fischern anzuhalten und frische Garnelen fürs abendliche BBQ zu kaufen.

Olympic National Park ist für mich die Entdeckung des Jahres und hat mich nachhaltig so beeindruckt, dass ich später für mein Studium einen Bericht dazu geschrieben habe. Das Städtchen Forks war Drehort der Twilight- Filme und ist, auch wenn ich mich nicht für Vampire interessiere, wirklich schön. Ihr müsst unbedingt das kurze Stück an die Küste nach La Push. An den, mit Treibholz übersäten Stränden kann man gelegentlich auch zelten. Kurz vor Forks findet ihr den Hoh Rainforest, einem gemäßigten Regenwald in dem man ganz tolle Wanderungen machen kann. Von der Hurricane Ridge, oberhalb von Port Angeles, hat man ein wahnsinniges Panorama über den Park und die Juan de Fuca bis nach Vancouver Island.

 

Bevor wir nach Seattle fahren, wollen wir noch einen Umweg machen. Seit zwei Tagen sehen wir am Horizont Mt. Rainier, einem 4392m hohen Vulkan der sich auf vielen Bildern hinter der Skyline von Seattle erhebt. Die Landschaft ist total schön. Wir fahren und fahren und der Berg scheint nicht näher zu kommen. Heute sind alle Zeltplätze belegt und wir müssen leider in einem wunderschönen alten Wagon übernachten. Es gibt schlimmeres.

An der Flanke des Mount Rainier machen wir mitunter die schönste Wanderung, die man machen kann. Ab hier auf ca. 3000m sehen wir auch endlich Mt. Saint Helens und Mt. Adams. Wir befinden uns auf dem Ring of Fire, das wird uns bei dem Anblick der aneinandergereihten Vulkankegel am Horizont, wieder bewusst. Weiter auf den Gipfel dürfen wir nicht, dazu bräuchten wir eine Permit aber für ne nette Wanderung reicht uns das heute.

 

 

Seattle ist anders als andere amerikanische Städte. Auf den Straßen sehen wir viele Trapper mit ihren Huskeys und Natives beim schnitzen ihrer Totempfähle. Spontan finden wir das erstaunlich günstige und gute Moore Hotel. Im angrenzenden Moore Theater hatten Nirvana ihre ersten Konzerte. Pike Place Fishmarket liegt direkt um die Ecke und ist immer wieder unser Anlaufpunkt für guten Kaffee und leckeren Fisch. Am Markt findet Ihr auch das erste Starbucks, aber eigentlich braucht es das nicht, denn überall gibt es tolle Cafes. Aus Seattle kommen viele bekannte Musiker und wenn Ihr auf Musik steht solltet ihr euch das EMP Museum ansehen. Der Mitbegründer von Microsoft Paul Allen hat es netterweise der Stadt geschenkt. Sehr schön gemacht ist auch die Seattle Underground Tour. Man ahnt garnicht, was sich alles im Untergrund verbirgt. Sehr spannend.

Als wir schweren Herzens zurück nach San Francisco fliegen wollen, fällt unser Flug wegen eines Defekts aus. Nach fünf lustigen Stunden am Flughafen, fliegen wir in einer fast leeren Maschine und haben bei den total partywütigen Stewards in Sektlaune, absolute Narrenfreiheit. Perfekter Abschluss einer super schönen Tour.

Campen im Bärenland:

Zugegeben, in den ersten Nächten hat man ein etwas komisches Gefühl. Informiert Euch am besten an Rangerstationen über die verschiedenen Verhaltensweisen, solltet Ihr einem Bären oder Berglöwen begegnen.

Zu eurer Beruhigung kann ich sagen, dass die Chance von Berglöwen angegriffen zuwerden sehr gering ist. Viele Wildnisbewohner erzählten uns, dass sie oft jahrelang keine zu Gesicht bekommen. Bei Bären jeglicher Art sieht das etwas anders aus. Grizzlys und Schwarzbären sind überall.

Auch wenn Euch das alles vielleicht verunsichert - zelten im Bärenland ist fantastisch und auch nicht so gefährlich wie es sich anhört, wenn Ihr gewissenhaft und respektvoll seid.

  • Eure Essenvorräte, Kulturbeutel ect. müsst ihr immer in Bären-Boxen aus Metall einschließen oder Ihr packt alles in einen Beutel und zieht den mindestens vier Meter hoch zwischen zwei Bäume. Lasst besser nichts im Kofferraum. Euer Vermieter wird es Euch danken.
  • Kocht nicht direkt neben eurem Zelt und lasst eure Klamotten, mit denen Ihr gekocht habt nicht  im Zelt liegen.
  • Haltet euren Zeltplatz penibel sauber.
  • Verzichtet weitestgehend auf Parfum und auf Haargel.
  • Ob Ihr euch ein Bärenspray kauft, ist Euch überlassen. Die Pfeffersprays kosten im Schnitt 40,-CAD und sind schon effektiv. Wir hatten uns dagegen entschieden.
  • Zeltet nicht zu nah an Flüssen, den da jagen die Bären nach Lachsen.

Wenn Ihr unterwegs auf Bären trefft, gibt es verschiedene Regeln die Ihr befolgen müsst. Wir sind einige Male in diese Situationen gekommen und waren zum Glück immer sehr ruhig und haben alles befolgt, was die Ranger uns geraten hatten. Informiert Euch an den Rangerstationen über die verschiedenen Verhaltensregeln bei Grizzlys, Schwarzbären und Pumas und dann wird's schon klappen mit eurem Wildnisabenteuer.