Cityhopping durch Barcelona und Pisa


Beim morgendlichen Blick aus dem Fenster in den grauen, verschneiten Januarmorgen fehlt mir die Motivation irgendetwas zu unternehmen. Eigentlich!! Aber heute nicht – wir haben eine Woche Urlaub und wollen in die Sonne, genauer nach Barcelona und von da nach Pisa. Den Low-Budget Airlines sei Dank, habe ich einen Flug für 8 Euro pro Nase gefunden, wofür ich mich auch ein bisschen hasse, wenn ich an die CO²-Emissionen denke, die wir hier verplempern. Ich werde dafür im Frühling ein Bäumchen pflanzen, versprochen.

Der Flug nach Girona entlang der südfranzösischen Küste ist traumhaft heute Morgen. Über der zerstreuten Sumpflandschaft der Carmargue setzen wir zur Landung an um knapp hinter den steil abfallenden Bergen der Pyrenäen zu landen. Die Costa Brava - Als Kind bin ich einige Male hier gewesen. Hierher kommt meine Leidenschaft für Dali, denn hier hat der kauzige Salvadore gelebt und gearbeitet, bevor er in seinem Museum in Figueres seine letzte Ruhe fand, aber für uns geht es ersteinmal weiter gen Süden nach barze´lo:na.

„Gute Entscheidung“ denke ich während wir durch die Gassen zum Strand laufen. Die Januarsonne steht tief und wirft lange Schatten, aber ordentlich warm ist es. Ich bin das erste mal in Barcelona und finde es super oder wie Suse sagen würde „die geilste Stadt Europas“. Den Reiz der La Rambla verstehe ich nicht so ganz, die ist mir zu sehr Touriabzocke. Aber auf der anderen Seite liegt der Mercat de la Boqueria, die alte Markthalle und da muss man hin wenn man fantastischen Schinken will. Die leuchtenden Farben und der Duft nach leckerem Serrano und Meeresfrüchten ist echt toll.

Es ist gleich Mittagszeit, höchste Zeit für die Mütter sämtliche Marktstände zu stürmen um haufenweise Calamari für ihre Lieben zu kaufen. Da uns keine der Damen zum Essen einläd, suchen wir uns eine schöne Tapasbar. Die Bleche auf den Theken, mit verschiedenen Leckereien lachen uns an. So eine Auswahl an Meeresfrüchten und eingelegtem Irgendwas habe ich noch nie gesehen, aber es ist muy delicioso und dann passt es auch schonmal mittags Rotwein zu trinken.

Vom Essen gestärkt und vom Wein geschwächt wollen wir ins Picasso- Museum. Nach Pablos blauen Periode, die ich wirklich sehr schön fand, brauchen wir mehr Sonne. Zu Fuß laufen wir durch die halbe Stadt zum Park Güell, der weit oberhalb der Stadt liegt. Nicht nur der Blick, weit über die Stadt und das Meer ist beeindruckend, sondern auch die verspielten Mosaik-Details von Gaudi im ganzen Park und besonders in der Portierloge.

Gaudi war bekanntlich sehr bauwütig in Barcelona unterwegs aber sein Meisterwerk, sein Schätzchen, konnte er nicht fertigstellen. Wann und ob die Sagrada Familia irgendwann fertig wird weiß ich nicht, aber mir ist der ganze Komplex zu kubistisch, zumindest der Teil, der nach Gaudi entstand. Ja zugegeben – ich finde es schon beeindruckend wie man so etwas Verrücktes bauen kann, was eher einer Sandburg auf Droge gleicht, als einer Kirche, aber hätte ich eine Lieblingskirche es wäre nicht diese.

Suse hatte über die letzten Tage recht behalten – Barcelona ist die geilste Stadt Europas, zumindest eine davon. Jetzt geht es erst einmal nach Italia.

„Wer wollte nochmal nach Pisa?“ Ich feierte Ostern 1987 mit zarten 6 Jahren am Schiefen Turm und hatte die schönsten Erinnerungen daran, an Bella Italia und jetzt...? Toskana im Januar – super Idee. Kein Wunder warum wir für 20 Euro ein Hostelzimmer direkt unter dem Turm bekommen haben. Pisa hat wenig zu bieten, zumindest zuwenig um drei Tage in der Stadt zu bleiben. Im Regen fahren wir mit der Bahn nach Lucca, nur wenige Kilometer nördlich. Die Stadt ist wunderschön mit ihren engen Gassen und der intakten Stadtmauer. Puccini ist hier geboren, deshalb dröhnt aus jedem Hinterhof das Nessum Dorma, aber uns gefällts. Auch hier regnet es wie aus Eimern. Da der Parmaschinken nahezu spottbillig ist und ich nicht genug davon bekomme, verbringen wir die meiste Zeit in den Cafes und Backstuben und genießen.

Zurück am Bahnhof gibt es zwei Möglichkeiten, runter nach Rom oder eine Stunde bis nach Florenz. Wir wählen letzteres und düsen durch die grauen Hänge der Toskana, die jetzt im Januar keine Postkarte schmücken würden. Hauptbahnhof Firenze, also raus aus den Zug und rein ins Vergnügen bei Sonnenschein, juhu.

Über den Palazzo Vecchio laufen wir zur Ponte Vecchio, die wohl berühmteste Brücke der Stadt. Sie verbindet die Uffizien mit dem Palast der Medici. Es ist richtig was los in der Stadt und uns gefällt es richtig gut. So gut, dass wir eigentlich nicht zurück nach Pisa wollen, aber von da aus geht morgen unser Flug nach Hause. Kulinarisch hat Italien mal wieder bewiesen, warum es so bekannt ist, dafür Grazie mille Italia und bis zum Sommer, wenn auch hier endlich die Sonne scheint.