Irland

 

       Wo Butter noch nach Butter schmeckt



Fast ein ganzes Jahr verbrachte ich in Dublin und doch kenne ich die Stadt kaum. Gemocht habe ich Irland immer schon und trotzdem war meine Zeit hier vollgestopft mit Arbeit, und meine Touren über die grüne Insel recht oberflächlich, da ich nur Sonntags frei hatte. 

Nachdem wir das Flughafengebäude verlassen haben und in unserem Mietwagen der absoluten Holzklasse sitzen, bedauern wir etwas, dass wir nicht einen Tag früher loslegen konnten. Gestern feierten die Iren St. Patricks Day, der wohl größte Feiertag aller Iren. Und wir haben alles verpasst.

Eigentlich!! Eigentlich weil wir a) in Irland sind und die Feiern hier bekanntlich länger dauern und b) nächste Woche die 100 jährige Unabhängigkeit gefeiert wird und wahrscheinlich jeder Ire bis dahin frei hat und zecht.

Das Tempel Bar Viertel ist randvoll mit Menschen, als wir ankommen. In jeder Ecke, in wirklich jeder Bar wird die Fidel geschwungen. Genau so hatte ich Dublin in Erinnerung. Der perfekte Moment uns auf Irland zu eichen.

 

 

Mit gefühlten 30 km/h verlassen wir Baile Átha Cliath, wie Dublin auf gälisch heißt, und machten uns auf, durch die vernebelte Morgenluft der Wicklow Mountains zu der wohl bekanntesten Klostersiedlung Irlands. Nur etwa eine Stunde von Dublin entfernt liegt Glendalough, eingebettet in einer umwerfenden Landschaft. Die Wanderungen sind nicht sonderlich anspruchsvoll aber wunderschön und sehr gut beschildert. Es gibt Landschaften, die dicke Wolken und graues Wetter vertragen. Irland ist das beste Beispiel dafür. Die leuchtenden Farben des bunten Laubs und der sattgrünen Wiesen, scheinen durch den grauen Himmel noch verstärkt zu werden.

 

Rechts oder Links? Rechts geht es auf den Ring of Kerry, links auf den weniger bekannten Ring of Beara. Wir wählen letzteres und bereuen keine Meile. Mit jedem Meter, den wir auf der engen Ringstraße weiter in die traumhafte Landschaft der Halbinsel Beara eindringen, wird es ruhiger und wilder und unbesiedelter. Es ist beneidenswert wie die Menschen hier leben. „So sähe unser Aussteigertraum aus“ denke ich. Und dann, in der hintersten, verlassensten Ecke Beara´s sehe ich tibetische Gebetsfahnen. „ Ein Meditationszentrum? Hier draußen?“ Schöner und spiritueller hätte sich das klosterähnliche Zentrum nicht postieren können. Wie ein Adlerhorst klebt es an den Steilhängen, hoch über dem Meer.

 

Auf Killarney hatte ich mich im Vorfeld gefreut. Hier wollten wir für ein paar Tage bleiben und im angrenzenden Nationalpark wandern. Der Ort selber, ist im Sommer das touristische Zentrum der Gegend. Aber jetzt, im März haben wir den Lough Leane mit seinen Schlössern und die Berge für uns allein. 

 

Es lässt uns keine Ruhe. Wenn der Ring of Kerry schon durch Killarney führt, müssen wir ihn jetzt auch fahren. Vorbei am Ladies Viewpoint und quer durch den National Park fahren wir in Richtung Waterville. Uns gefällt´s schon, doch fanden wir den urigen Beara Ring besser und landschaftlich eindrucksvoller. Deshalb brechen wir unsere Umrundung ab und wollen querfeldein die kleinsten Pfade zurück nach Killarney. Unvorstellbar wie unberührt Irland in einigen Teilen ist. 

 

Vor 13 Jahren kam ich auf meinen Sonntagstrips an den Cliffs of Moher vorbei, fand´s schön, mehr nicht. Sonst hatte ich keinerlei Erinnerung an die Klippen. Als wir jetzt bei Sonnenschein unser Auto an einem Bauernhof abstellen und loslaufen, sind wir total begeistert. Klar, je näher wir dem Besucherzentrum kommen wird's touristischer. Glücklicherweise laufen die meisten Reisegruppen nicht so weit wie wir und so sind wir bald wieder alleine mit den Klippen. 

 

 

Ich wäre so gerne für ein paar Tage in den Burren, nördlich der Cliffs geblieben. Die mit Felsbrocken übersäte Landschaft ist unheimlich schön, leider aber überwiegend in privater Hand. Es gibt kaum Wanderwege, und wenn, dann größtenteils über die engen Asphaltstrassen. „Zum Trost bleiben wir dann eben länger in der Connemara. Auch hier war ich früher durchgekommen und erkannte die Gegend erst jetzt wieder. Im Sommer ist die Torflandschaft im satten grün schon wunderschön, doch jetzt im März, leuchten die Hänge der Berge in allen möglichen Brauntönen. Ja sie leuchten. Wie kann ein Braun bei diesem stürmischen Wetter nur leuchten?

 

Im kleinen Connemara National Park nahe Letterfreck, besteigen wir die ersten Berge der Twelve Bens. Seltsam, dass die Hänge außerhalb des Parks, unzugängiger und, außer den Schafen natürlich, unberührter wirken als im Park selbst. In Clifden wollen wir unsere Erkältung auskurieren. Das raue Klima war doch zuviel. „Und eigentlich wollten wir unsere Tour mit dem Zelt machen…“ Am Torffeuer in der Buttermilk Lodge wärmen wir uns auf, essen leckeres Lamm und nehmen im Pub unsere Medizin ein. Die irische Medizin bewirkt Wunder.

 

Gerade noch rechtzeitig kommen wir in Dublin an. Gegen Nachmittag soll die große Parade zur Unabhängigkeitsfeier stattfinden. Der Präsident ist da und auch das halbe Militär. Nachdem Reden geschwungen wurden, fliegt das Militär über uns hinweg und zieht die irischen Nationalfarben in den Himmel. Ein wichtiger Tag für die Iren und ein toller Abschied für uns. 

 

Nach 13 Jahren Irland-Abstinenz habe ich die Insel zum erste Mal privat bereist und erst jetzt richtig kennengelernt. Es war sicher nicht das letzte Mal für uns.

 

 

 

kleiner Tipp: Wir hatten, wie immer, keine B&B´s bzw. Hotels vorab reserviert. Unsere Unterkünfte fanden wir

                     immer spontan. Einige Male nutze ich meine booking.com App um bessere 

                     Preise zu bekommen. Hotels und B&B´s sind selbst im März, mit durchschnittlich 75 € nicht gerade günstig.