Delhi und Agra


...von heiligen Kühen und bauwütigen Mogulen.

 

Als ich vor die Ankunftshalle des Indira Gandhi Airport trete frage ich mich, ob unser Trip nach Indien wirklich so eine gute Idee gewesen ist. Die Hitze, die Überbevölkerung, der Gestank der Stadt, das Elend auf den Straßen zieht mir im ersten Moment den Boden unter den Füßen weg. Klar habe ich mit all dem gerechnet, aber das alles auch hautnah zu spüren ist schon etwas anderes. Kann man sich überhaupt auf Indien vorbereiten oder einstellen? Ich glaube nicht.


Delhi ist total verrückt, ein Moloch mit unbekannter Einwohnerzahl, aber es sind viele. Entlang der Straßen kauern Menschen am Straßenrand und betteln, viele sind stark missgebildet und verstümmelt. Einige Kamele laufen durch die Gassen, Heilige Kühe blockieren den Straßenverkehr und fressen Plastikmüll von den riesigen Abfallbergen, die manchen Bewohnern als Behausung dienen. Es braucht einige Tage bis wir wirklich angekommen sind. Als dann endlich der Moment gekommen ist und wir uns in dieser surrealen Welt etwas freier bewegen, fällt mir erst einmal auf wieviel Schönheit in den kleinen Details liegt. Das Licht und die Farben Indiens sind ein Traum eines jeden Fotografen.

Als unser TukTuk am Rand des Hauz Kahs Parks hält, hört das Chaos der Stadt plötzlich auf. Die bunten Saris der Frauen, die starken Gerüche nach Tee und Gewürzen, die vielen kleine Ornamente der alten Gräber entlang eines kleinen Sees begeistern mich jetzt doch schon etwas. Das ganze Viertel von Hauz Kahs Village wirkt viel aufgeräumter mit seinen kleinen Galerien und Geschäften. Es ist eher ein Delhi Light für uns als Anfänger.

Unser Freund Maroof hat uns für einige Tage bei sich aufgenommen, auch wenn er zur Zeit in seiner Heimat Kashmir ist. Er ist sehr besorgt um uns, ruft mich fast stündlich an und schickt täglich seine Freunde vorbei, damit es uns an nichts mangelt. Manche seiner Kumpels sprechen ausschließlich Hindi, aber mit ihnen hab ich die besten Unterhaltungen. Über Stunden sitzen wir auf dem Fußboden, quatschen mit Händen und Füßen über alle möglichen Themen und lachen erstaunlich viel.


Eigentlich wollten wir mit dem Zug weiter nach Agra, das fand Maroof aus der Ferne für zu gefährlich und zu unkomfortabel für uns. Früh am Morgen stand eine recht neue Limousine vor unserer Tür. Chapeau!

 

Agra - in einem Restaurant - zwei Stunden später.

Gerade hat Suse noch einmal Chapati nachbestellt. Unser Kellner wirkt sehr ärmlich, aber er ist für indische Verhältnisse nett. Das sehen seine Kollegen leider anders. Sie schleifen den armen Kerl an uns vorbei und verprügeln ihn ganz übel, bevor er vor die Tür geworfen wird. Ich habe das Gefühl, dass Menschlichkeit hier ein Fremdwort ist. Auch als Frau hat man nichts zu lachen. Stellt Suse eine Frage, wird sie mir beantwortet. Man trägt meinen Rucksack, hält mir die Tür auf, spricht mich nur mit "Sir" an. Suse dagegen wird, wenn überhaupt, sehr grob angesprochen, aber meistens wird sie ganz ignoriert.

Als vermeintlich reiche Europäer werden wir von unzähligen Menschen belagert, die uns ihre Dienste als Guides anbieten wollen. Unser Fahrer warnt uns, auch er ist besorgt. Alles muss sehr schnell gehen – der Wagen hält, wir rennen durch den Eingang zum Roten Fort und sind die Meute los. Die Architektur des Fort ist wahrscheinlich durch nichts zu toppen, höchstens mit dem nächsten UNESCO – Weltkulturerbe, auf das wir von den Festungsmauern aus sehen – Taj Mahal.

Betritt man das riesige Gelände des Taj Mahal durch eine der schmucken Eingangsgebäude, die jedes einzelne einem Palast ähneln, verschlägt es einem förmlich die Sprache.

Die feinen Koranferse aus schwarzem Marmor, welche das gesamte Taj verzieren sind der Wahnsinn. Leider durften wir im Inneren nicht fotografieren. Die zaunähnliche Umrandung, welche die Gräber von Großmogul Shah Jahan und seiner Lieblingsfrau Mumtaz Mahal umfasst, wurde unvorstellbar aufwändig in feines Marmor geschnitzt. Es ist mit Sicherheit das schönste Bauwerk, dass ich je gesehen habe.

Meine Gedanken zu Indien:

Indien ist im Nachhinein für mich ein Sehnsuchtsort geworden. Die Farben und das Licht sind wahnsinnig belebend, da sieht man dann auch gerne mal von den chaotischen Zuständen ab. Leider sind wir nur für kurze Zeit in Delhi und Agra geblieben. Gerne hätte ich noch Touren durch Rajasthan gemacht, aber das kommt in den nächsten Jahren noch.


Kleiner Tipp:

Gut, Indien ist jetzt nicht unbedingt für seine guten hygienischen Zustände berühmt, aber wir sind vom sogenannten Delhi Belly verschont geblieben. Ihr müsst sehr gut aufpassen wie und wo und was ihr trinkt. Achtet darauf, dass die Verschlüsse von Wasserflaschen nicht beschädigt sind. Setzt die Flasche auch nicht direkt an den Mund an. Auf keinen Fall dürft Ihr Wasser aus der Wasserleitung trinken und in den Restaurants verzichtet auf Salate, Obst, auf Eiswürfel und alle ungegarten Speisen.

Das hört sich erst einmal schwierig an, ist es aber nicht und vorallem sollte es Euch nicht von einem Trip nach Indien abhalten.