Namibia

...oder wie wir einer Ziege das Leben retteten.



 

Seit 10 Tagen sind wir schon in den unbeschreiblichen Weiten Namibias unterwegs. Durch die Dünen der Namib Wüste, vorbei an der surrealen Skelettküste, sind wir jetzt an der Grenze zu Angola. Es war die beste Entscheidung den Abstecher zu den Epupa Falls zu machen. Der nordwestliche Zipfel Namibias ist sehr ruhig, wir treffen nicht viele andere Fahrzeuge. Es ist so gut, dass wir unsere Allradmonster dabei haben. Anders hätten wir nur halb so viel Fun gehabt.

Suse´s Bruder lebt seit einigen Monaten in Windhoek, kennt die Gegend sehr gut. Ab und zu nehmen wir trampende Frauen der Himba mit, jener Stamm, deren Frauen sich mit einer tiefroten Paste einfärben. Eigentlich sollten wir das nicht. Die Autovermieter wissen nur zu gut, dass die Farbe aus den Sitzen nur schwer zu entfernen ist, aber nun gut. Wir hofften dadurch in die Dörfer eingeladen zu werden, was auch wirklich funktionierte. Nachdem unsere mitgebrachte Vaseline und ein Sack Reis akzeptiert waren, durften wir ins Haus der ersten Frau. Der Häuptling hockte im Schatten und zerrieb Rinde. Sein Wundermittel gegen den Kater von gestern Nacht. Der Arme muss fünf Frauen zufriedenstellen. Die Himba sind wunderschöne Menschen mit zarten Gesichtern. Die Farbe aus rotem Stein, Vaseline und aromatischen Hölzern und Rinden ist die einzige erlaubte Möglichkeit der Körperhygiene für die Frauen, aber sie riechen wider erwartend gut.

Abends wollen wir in die Disco, uns unters gemeine Volk mischen. Die kleine Wellblechhütte, nicht weit von unserem Camp, dient tagsüber als Lebensmittelladen. Abends geht’s hier ab, dann sitzt man auf Reissäcken und hört sich afrikanischen Hiphop aus der Jukebox an. Zehn Leute, darunter viele Hirten der Himba mit Stirnlampen diskutieren den ganzen Abend lautstark welches der vier Lieder auf der Jukebox als nächstes gespielt wird. Das Treiben ist besser als Kino, aber irgendwann wollen wir ins Zelt, der Tag war hart. Als wir am nächsten Morgen wach werden beichtet uns Alex, dass wir einen Umweg fahren müssen. Er spendierte abends einem Häuptling ein Bier, der fühlte sich so geehrt, dass er für uns in seinem Dorf eine Ziege schlachten will. Ablehnen kommt nicht infrage, er wäre in seiner Ehre gekränkt, also müssen wir durch.

Zwei Stunden fahren wir einen sau anspruchsvollen, eigentlich unmöglichen Ziegenpfad durch die Berge. Manchmal müssen wir Hänge und trockene Flußbette mit Steinen präparieren um überhaupt weiterzukommen. Irgendwann geht es einfach nicht mehr weiter, auch wenn unser Häuptling seit Stunden versichert, gleich da zu sein. Es tut uns so leid, aber wir müssen ihn im Dorf seines Bruders an dem wir vorbei kommen, zurücklassen. Und dabei hatten wir uns auf Ziege gefreut, auch wenn die jetzt wohl drei Kreuze macht. Er wirkt enttäuscht, verspricht uns aber, dass wir uns das Tier irgendwann abholen können. Das werden wir bestimmt.

Tage später finden wir auf der Karte, wo wir uns stundenlang herum gequält haben – unser neuer Freund hat uns auf den Van Zyl´s Pass navigiert, einem der anspruchvollsten Pässe der Welt. Die schlimmste Etappe hätten wir nie im Leben geschafft, aber der Anfang hat mir als Offroadneuling gereicht.

Meine schönsten Zeltplätze:


1. Zeltplätze in Namibia sind generell sehr spektakulär gelegen, aber mir blieb das Ongongo-Camp an der Warmquelle besonders in Erinnerung. Die kurze Abfahrt zum Zeltplatz ist eine kleine Offroad- Geschichte und daher nur mit Allradfahrzeugen zu bewältigen. Aus der kleinen engen Schlucht hat man nicht nur einen unvergleichlichen Blick über die Landschaft Namibias, sondern kann auch in dem warmen Naturpool planschen.

2. Und auf keinen Fall darf ich das Ngapi-Camp bei Divundu vergessen. Die Besitzer haben ihr Camp sehr kreativ und geschmackvoll ausgestattet und vor allem den Sanitäranlagen die größte Aufmerksamkeit geschenkt. Das Beste: In einem sicheren Pool-Käfig kann man im Okavango River baden und dabei den Flußpferden zusehen. Überzeugt euch selbst.   ngepicamp.com