Marrakesch


Schlangenbeschwörer, der Tanz der Derwische und die Farbgewalt der Basare verband ich immer mit einer Stadt – Marrakesch. Seit die ein oder andere Low Budget Airline Marrakesch ansteuert nahm ich mir vor, für ein paar Tage in den tiefsten Orient abzutauchen. Es ist 7 Uhr morgens und wir sind vor nicht einmal 24 Stunden aus Indien zurückgekommen. Eigentlich die beste Voraussetzung für den Orient, da der Kulturschock nicht all zu groß sein würde, dachte ich. Für sechs Tage habe ich ein Beduinenzelt auf dem Dach eines Riads reserviert und das für unglaublich wenig Geld. Es ist Spätsommer und die Temperaturen bei unserer Ankunft brutal heiß. Heißer und vor allem trockener als Indien, aber es ist wunderschön wie sich das Atlasgebirge am Horizont abzeichnet. Die Luft ist vom aufgewirbelten Sand sehr trüb und das kräftige Licht gibt den Farben der Stadt den richtigen Kontrast.

Marrakesch macht einfach Spaß. Es ist so entspannend nach unserem langen Trip durch Indien auf den Dachterrassen rund um den Djemaa el Fna, den Platz der Schlangenbeschwörer und Gaukler, zu sitzen, Minztee zu trinken und das Leben zu genießen. Der große Marktplatz wurde 2001 von UNESCO zum immateriellen Erbe der Menschheit erklärt und wie ich finde – zu recht. Abends, nachdem der Muezzin zum Gebet gerufen hat, geht es auf dem Platz so richtig los. Sobald es dunkel wird, werden unzählige Garküchen und Grills aufgebaut und der Platz verwandelt sich in ein riesiges Open Air Theater. Das Essen ist fantastisch und man kann sich bei der Auswahl wirklich nicht leicht entscheiden. Richtig interessant finde ich die alten Geschichtenerzähler. Auch wenn man kein Wort versteht, steckt dahinter die jahrtausendealte Kultur der Berbervölker.

Ich liebe es zu feilschen und ich würde behaupten, dass ich es recht gut kann, aber in den Souks habe ich meine Meister gefunden. Es ist unmöglich einen guten Preis zu bekommen. Von den Farben und Gerüchen der Gewürz und Lederständen bekommen wir einfach nicht genug.

In den engen Labyrinthen des Basars ist es vollkommen unmöglich sich nicht zu verlaufen. Wir haben es sechs Tage nicht hinbekommen auf direktem Wege durchzugehen. Die fast aggressive Hartnäckigkeit der Händler nervt uns irgendwann, auch wenn es uns jeden Tag aufs Neue in den Basar zieht.

Außerhalb der Medina suchen wir nach ruhigeren Plätzen. Zwischen den hässlichen Häusern der Neustadt finden wir den Eingang zum Jardin Majorelle, einem wirklich sehr schönen botanischen Garten, den der französische Maler Jacques Majorelle anlegen ließ. Der Garten mit seinen markanten blauen Gebäuden, Teichen und Brunnen gehörte mal Yves Saint Laurent.

Marrakesch war immer schon Anlaufstelle des Jetset. Heute ist es Puff Daddy oder P. Diddy - wie auch immer, früher waren es die Rolling Stones, noch viel früher Winston Churchill. Der gute Winston hat viel Zeit im Hotel La Mamounia verbracht und gemalt. Das Innere des Hotels ist sehr geschmackvoll gestaltet. Die bunten Gläser der Fenster sorgen für eine einmalige Stimmung im Empfangsbereich. Ich hatte gelesen, dass es eine Churchill Suite gibt, in der die Gemälde vom überaus begabten Winston hängen. Da will man uns aber nicht reinlassen, dafür dürfen wir aber in den Garten und der hat es in sich.

Wer in Marrakesch ist muss ins Hammam. Das sagt zumindest unsere Vermieterin. Nachdem uns mehrere ältere Frauen mit Bauarbeiterhänden geschrubbt und gewaschen hatten, wurden wir mal ordentlich durchgeknetet. Ein Traum aus 1001 Nacht. Sie können es einfach, die Marrokanerinnen.

Unser mit Mosaiken verziertes Riad war schon alleine die Reise wert. Wir verstehen uns so gut mit unserer Vermieterin und ihrer Familie. Oft bleiben die Gäste in ihrem Haus nur eine maximal zwei Nächte. Wir dagegen hatten sechs Tage Zeit uns kennenzulernen und auszutauschen. Sie kocht unglaublich gut und erklärt uns viel über den gerade stattfindenden Ramadan und die muslimische

Kultur und schenkt uns am letzten Abend eine marrokanische Teekanne, da wir Europäer ja eh keinen guten Preis auf dem Basar rausschlagen könnten. Recht hat sie.

Unser Riad:

Wir hatten ein wirklich gemütliches Beduinenzelt auf dem Dach des „ Dar Salam“ ganz in der Nähe der Souks. Tolle Angebote hierzu findet ihr auch über www.booking.com.


Kleiner Tipp:

Wenn ihr ein Souvenir in den Souks findet, euch aber nicht traut zu feilschen, gibt es in der Nähe der Saadier Gräber in der Rue de La Kasbah ein riesiges Geschäft wo ihr alles bekommt und das sogar noch günstiger.